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Der blinde Fleck vieler Geschäftsführer: Sie haften – aber Ihre Organisation arbeitet dagegen

Der blinde Fleck vieler Geschäftsführer: Sie haften – aber Ihre Organisation arbeitet dagegen
Viele Geschäftsführer im Mittelstand investieren derzeit in KI-Agenten für Kundenservice, prüfen Automatisierung statt Neueinstellung, beschäftigen sich mit Retention Management, Liquiditätssicherung oder lassen eine Unternehmensbewertung per KMU-Rechner durchführen. All das ist sinnvoll.

Was jedoch oft übersehen wird:

Die größte Haftung entsteht nicht durch fehlende Innovation – sondern durch scheinbar harmlose Alltagsprozesse.


„Wir nutzen doch HTTPS“ –
warum dieses Argument unter NIS-2 nicht mehr trägt

Ein Klassiker aus der Praxis:
  • Passwörter werden per E-Mail versendet
  • Zugangsdaten stehen im GET-Parameter einer URL
  • Der Einwand lautet: „Der Transport ist doch verschlüsselt (HTTPS).“
Technisch ist das korrekt.
Rechtlich und organisatorisch ist es unter NIS-2 eine Katastrophe.

Warum?
  • GET-Parameter landen im Klartext:
    • in Server-Logs (access.log)
    • im Browser-Verlauf
    • in Proxy- und Firewall-Logs
      → Verstoß gegen Security by Design
  • E-Mails:
    • liegen jahrelang unverschlüsselt im Postfach
    • im „Gesendet“-Ordner des Kunden
    • im Support-Postfach Ihres Unternehmens
Das Entscheidende:
Das ist kein Hackerangriff.
Das ist eine grob fahrlässige Schwachstelle im Standardprozess.

Unter NIS-2 ist genau das der Punkt, an dem die persönliche Haftung des Geschäftsführers beginnt:

    Sie hätten organisatorisch und technisch sicherstellen müssen,
    dass sensible Daten nicht so verarbeitet werden.


Die „Passwort-Richtlinie“ und die TXT-Datei in der Schublade

Ein zweites, ebenso typisches Szenario:
  • Der Geschäftsführer unterschreibt eine Passwort-Richtlinie
    (12 Zeichen, Sonderzeichen, Wechsel alle 90 Tage)
  • Der Administrator denkt sich:
    „Das kann sich kein Mensch merken.“
  • Ergebnis:
  • passwords.txt
  • oder der berühmte Zettel in der Schublade
Das eigentliche Haftungsproblem liegt nicht beim Admin, sondern beim Geschäftsführer.

Unter NIS-2 reicht es nicht mehr, Regeln zu erlassen.
Sie haben eine Überwachungspflicht.

Die kritische Frage des Auditors lautet dann:

    „Herr Geschäftsführer, wie haben Sie technisch sichergestellt,
    dass Mitarbeiter keine Passwort-TXT-Dateien anlegen können?“

Die Antwort

    „Ich habe ihnen vertraut.“

ist keine Entlastung, sondern der Beweis eines Organisationsverschuldens.


Das eigentliche Dilemma: Unpraktische Regeln erzeugen Regelverstöße

Die Realität im Mittelstand ist klar:
  • Ihre Mitarbeiter umgehen Regeln nicht aus Böswilligkeit,
  • sondern weil sie unpraktisch sind.
  • Gleichzeitig haften Sie persönlich, wenn genau diese Umgehungen zum Vorfall führen.
Das ist der Kernkonflikt moderner Geschäftsführung:
Sie tragen die Haftung – aber die operative Realität entzieht sich Ihrer Kontrolle.


Die Lösung liegt nicht in mehr Papier, sondern in Technik

Genau hier greifen moderne, haftungsrelevante Schutzmechanismen:
  • Identity & Access Management (IAM)
  • Single Sign-On (SSO)
  • Privileged Access Management (PAM)
  • Sichere Datentransfer-Verfahren (z. B. One-Time-Secret statt E-Mail)
Diese Systeme lösen zwei Probleme gleichzeitig:
  • Ihre Mitarbeiter können die Regeln einhalten, ohne Umwege zu suchen
  • Sie erfüllen Ihre Überwachungs- und Organisationspflicht nachweisbar
Das ist der eigentliche NIS-2-Schutzschild für Geschäftsführer.


KI, Automatisierung und Cyber-Haftung gehören zusammen

Ob Sie:
  • KI im Vertrieb automatisieren
  • KI-Use-Cases in der Produktion einführen
  • KI-Agenten im Kundenservice integrieren
  • über Stiftungslösungen, Unternehmensbörsen, einen Unternehmensbroker oder sogar einen Notfallplan bei Geschäftsführer-Ausfall nachdenken
entscheidend ist immer dieselbe Frage:

Ist Ihre Organisation so gebaut,
dass sie auch unter Stress, Wachstum und Automatisierung rechtssicher funktioniert?

    Wenn nicht, entsteht kein technisches Risiko –
    sondern ein persönliches Haftungsrisiko.



Fazit für Geschäftsführer

  • NIS-2 ist kein IT-Thema, sondern Unternehmensführung
  • Vertrauen ersetzt keine technischen Kontrollen
  • Unpraktische Regeln erzeugen Haftung
  • Gute Technik schützt Menschen, nicht nur Daten
  • Cyber-Sicherheit ist heute Teil der Liquiditäts- und Existenzsicherung
Nicht, weil Hacker gefährlich sind –
sondern weil Organisationen es oft selbst sind.



Rechtlicher Hintergrund: Warum NIS-2 die Rolle des Geschäftsführers verändert

Die NIS-2-Richtlinie der EU ist kein IT-Projekt und kein Spezialgesetz für Konzerne.
Sie ist eine Governance- und Haftungsrichtlinie, die die Verantwortung ausdrücklich auf die Geschäftsführungsebene verlagert.

Für welche Unternehmen gilt NIS-2?

Hier ist eine wichtige Einordnung notwendig, um unnötige Verunsicherung zu vermeiden:
  • Unternehmen, die keine
    • Vertrauensdiensteanbieter (Trust Service Provider),
    • öffentlichen Telekommunikationsanbieter
    • oder Anbieter strategisch kritischer Leistungen
      sind, fallen nicht automatisch unter NIS-2.
  • Für diese Unternehmen greift NIS-2 grundsätzlich erst ab der Schwelle „mittleres Unternehmen“:
    • ab 50 Mitarbeitenden oder
    • ab 10 Mio. Euro Jahresumsatz
Kleine Unternehmen unterhalb dieser Schwelle sind in der Regel nicht unmittelbar betroffen.

Aber:
Sobald diese Größenordnung erreicht ist – oder absehbar erreicht wird –
stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern wie Sie vorbereitet sind.


Ab wann gilt NIS-2?

  • Die EU-Richtlinie ist seit 2023 beschlossen
  • Die nationale Umsetzung in den Mitgliedsstaaten läuft
  • Für Unternehmen bedeutet das:
    ab 2025/2026 gelten die Pflichten faktisch verbindlich, Prüfungen und Sanktionen folgen zeitversetzt
Entscheidend für Sie als Geschäftsführer ist nicht das exakte Inkrafttretensdatum, sondern:

    Ab jetzt wird geprüft, ob Sie sich vorbereitet haben.


Was NIS-2 konkret vom Geschäftsführer verlangt – in Klartext

NIS-2 verlangt keine technische Detailkenntnis vom CEO.
Aber sie verlangt nachweisbare organisatorische Verantwortung.
Konkret heißt das:
  • Sie dürfen sich auf IT-Spezialisten stützen
  • Sie dürfen Verantwortung delegieren
  • Sie dürfen Haftung nicht delegieren
Die Richtlinie spricht ausdrücklich von:
  • angemessenen technischen UND organisatorischen Maßnahmen
  • Überwachungspflichten der Geschäftsleitung
  • persönlicher Verantwortlichkeit bei vorhersehbaren Schwachstellen
Der zentrale Punkt ist neu und für viele ungewohnt:

    „Ich habe meinem IT-Team vertraut“ gilt nicht mehr als Entlastung.


Warum Vertrauen in diesem Kontext leichtsinnig wäre

Das klingt hart, ist aber realistisch:
  • Ihre Mitarbeiter handeln nicht falsch,
  • sie handeln pragmatisch.
Aus der Praxis wissen wir:
  • Mitarbeiter kennen Datenschutzregeln
  • sie wissen, was „richtig“ wäre
  • sie bekommen aber oft weder Prozesse noch Werkzeuge, um es richtig zu tun
Der typische Zielkonflikt:
  • Prozesse senken kurzfristig Produktivität
  • Sicherheits-Tools kosten Lizenzen
  • Budgets werden nicht freigegeben
  • Leistung wird trotzdem erwartet
Die logische Folge:

    Der Mitarbeiter wählt den Weg des geringsten Widerstands.

Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Systemdruck.

Seit dem 1.1.2026 wird genau dieses Verhalten für die Geschäftsführung gefährlich:
Nicht das Wissen der Mitarbeiter zählt, sondern die organisatorische Ermöglichung durch das Unternehmen.


Warum interne Kontrollen nicht ausreichen

Ein CEO steht hier in einem strukturellen Dilemma:
  • Interne IT prüft sich faktisch selbst
  • Interne Audits sind Teil der Hierarchie
  • Kritische Punkte werden oft „mitgedacht“ oder relativiert
NIS-2 setzt deshalb implizit auf ein bekanntes Prinzip aus anderen Hochrisikobereichen:

    Unabhängige, externe Prüfung

Nicht aus Misstrauen gegenüber Mitarbeitern, sondern:
  • zur Entlastung der Geschäftsführung
  • zur objektiven Bewertung realer Prozesse
  • zur Dokumentation, dass Organisationspflichten erfüllt wurden
Ein externes Audit ist damit kein Kontrollinstrument, sondern:
ein Haftungsschutz für den Geschäftsführer.


Der Denkfehler vieler CEOs

Viele Geschäftsführer denken:

    „Wenn ich Prozesse verschärfe und Tools einführe, verliere ich Produktivität.“

Kurzfristig ist das oft richtig.
Langfristig ist es gefährlich.

Denn NIS-2 bewertet nicht, ob Ihre Mitarbeiter schnell arbeiten,
sondern ob Ihr Unternehmen vorhersehbare Risiken organisatorisch beherrscht.

Oder anders gesagt:

    Produktivität ohne Struktur ist seit 2026 kein Wettbewerbsvorteil mehr,
    sondern ein Haftungsrisiko.


Einordnung zum Schluss

NIS-2 will keine Angst erzeugen.
Die Richtlinie folgt einer einfachen Logik:
  • Komplexe, digitalisierte Organisationen
  • können nicht mehr allein auf Vertrauen basieren
  • Verantwortung muss systemisch abgesichert werden
Für Geschäftsführer bedeutet das:

    Nicht mehr selbst alles wissen zu müssen –
    aber sicherzustellen, dass Wissen, Prozesse und Technik zusammenpassen.


Genau hier beginnt professionelle Unternehmensführung im digitalen Zeitalter.



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Uwe Richter, COO 4WT Co., Ltd. https://it-e-com.de

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